Beleuchtung & Spiegellampen
Schloss Payersberg: hell werden ohne sichtbare Leuchten
Schloss Payersberg über Sirmian in der Gemeinde Nals ist seit der Sanierung 2024 Eventlocation. ELOTEC hat Saal, Durchgang und Natursteinmauern beleuchtet. Was bei Licht in historischer Bausubstanz zählt.
Hoch über Nals, auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Felskopf am Rand der Sirmianer Schlucht, steht Schloss Payersberg. Die Anlage geht auf das frühe 13. Jahrhundert zurück und war Stammsitz der Herren von Payrsberg, Ministerialen der Grafen von Eppan. Im 16. Jahrhundert liess Jakob von Boymundt-Payersberg einen Rundturm und den nördlichen Zugang ergänzen, über dem bis heute das Wappen mit der Jahreszahl 1560 sitzt. Der italienische Name der Burg lautet Castel Bavaro.
Nach der Sanierung im Jahr 2024 wird das Schloss als Veranstaltungsort genutzt, für Hochzeiten, Konzerte, Firmenfeiern, Geburtstage und Tagungen. Die Anlage an der Sirmianerstrasse 2 umfasst rund 600 Quadratmeter, einen Panoramahof und einen Innensaal. Damit ändert sich die Aufgabe für die Elektrotechnik grundlegend: Ein Raum, der jahrhundertelang bei Tageslicht und Kerzenschein funktioniert hat, muss abends für Gäste sicher begehbar sein, gut aussehen und trotzdem aussehen wie vorher.
Die eigentliche Schwierigkeit: die Leuchte darf nicht auffallen
In einem Neubau wird Licht geplant, bevor die Wand steht. Hier ist es umgekehrt. Die Substanz ist vorgegeben, sie ist schützenswert, und sie ist alles andere als eben: Bruchsteinmauerwerk mit tiefen Fugen, ein offener Dachstuhl aus alten Balken, ein gepflasterter Durchgang. Jede Leuchte, die man an eine solche Wand schraubt, ist sofort ein Fremdkörper. Jede Leitung, die sichtbar über den Stein läuft, zerstört genau den Eindruck, für den die Gäste gekommen sind.
Die Antwort darauf ist nicht mehr Licht, sondern weniger sichtbare Technik. Beleuchtet wird die Fläche, nicht der Raum: Das Mauerwerk selbst wird zur Lichtquelle, indem man es anstrahlt, und der Blick findet keine Lampe, an der er hängen bleibt.
Streiflicht aus dem Boden im Saal
Im grossen Saal unter dem offenen Dachstuhl liegt eine Reihe Bodeneinbauleuchten direkt an der Wandfuss-Linie. Das Licht streift von unten an der Natursteinmauer hoch. Dieser flache Einfallswinkel ist der ganze Trick: Er wirft in jede Fuge einen kleinen Schatten, und dadurch tritt die Struktur des Mauerwerks überhaupt erst hervor. Beleuchtet man dieselbe Wand frontal, sieht sie flach und tot aus.
Gleichzeitig bleibt der Dachstuhl im Halbdunkel und wird nur vom Streulicht der Wände erfasst. Der Raum wirkt dadurch höher, als wenn man ihn von oben ausleuchtet. Der glatte Estrichboden nimmt das Licht auf und gibt es weich in die Fläche zurück, was den Saal auch ohne einzige Deckenleuchte gleichmässig hell macht.
Eine durchgehende Linie im Durchgang
Der gepflasterte Durchgang hat eine flache Holzdecke und ist vergleichsweise niedrig. Punktstrahler hätten hier ein Muster aus Lichtinseln und dunklen Löchern erzeugt, über einem unebenen Pflasterboden ist das der sicherste Weg zu einem Stolperer. Stattdessen läuft eine durchgehende LED-Lichtlinie in der Kehle zwischen Wand und Holzdecke.
Das Ergebnis ist ein einziger gleichmässiger Wandstreifen, der den Weg führt, ohne selbst zu blenden. Die Leuchte sieht man nicht, nur ihre Wirkung. Und weil das Licht an der Wand hängt und nicht an der Decke, bleibt die alte Holzdecke unangetastet.
Worauf es bei Licht in alter Bausubstanz ankommt
- Lichtfarbe: Warmweiss passt zu Holz, Kalkputz und Bruchstein. Neutralweisses Licht lässt warme Oberflächen grau und die Räume nach Werkstatt aussehen.
- Einfallswinkel: Streiflicht bringt Struktur heraus, frontales Licht nimmt sie weg. Das entscheidet sich über den Abstand der Leuchte zur Wand, nicht über die Wattzahl.
- Blendung: Wer den Raum ansieht, darf die Lichtquelle nicht sehen. Besonders bei Bodeneinbauleuchten zählt der Abstrahlwinkel, sonst blendet die eigene Beleuchtung die Gäste.
- Leitungsführung: In geschützter Substanz lässt sich selten stemmen. Trassen laufen dann in Fugen, hinter Vorsatzschalen, im Bodenaufbau oder in der Kehle, das muss vor der ersten Bohrung geklärt sein.
- Dimmbarkeit: Ein Saal braucht für Aufbau, Essen, Rede und Tanz unterschiedliche Helligkeiten. Das kostet in der Planung wenig und lässt sich später nur mit grossem Aufwand nachrüsten.
- Fluchtwege: Sobald Publikum im Haus ist, gelten für Rettungszeichen und Sicherheitsbeleuchtung eigene Anforderungen. Die gehören in die Planung, nicht in die Abnahme.
Was das für andere historische Gebäude heisst
Zwischen Nals, Tisens und Prissian steht eine ungewöhnliche Dichte an Burgen, Ansitzen und alten Höfen, von denen immer mehr als Veranstaltungsort, Hofschank oder Ferienwohnung genutzt werden. Die Aufgabenstellung ist dabei fast immer dieselbe: Ein Gebäude, das für eine andere Nutzung gebaut wurde, soll abends Gäste empfangen, ohne seinen Charakter zu verlieren und ohne dass jemand über eine Stufe stolpert.
Dass diese Aufgabe lösbar ist, hängt weniger an der Leuchte als am Zeitpunkt. Wer Licht und Leitungsführung mitplant, solange der Boden noch offen und das Gerüst noch gestellt ist, hat alle Möglichkeiten. Wer erst fragt, wenn der Estrich liegt und der Putz trocken ist, hat fast keine mehr.
ELOTEC plant und installiert Beleuchtungsanlagen für Wohnräume, Industriehallen, historische Gebäude, Eventlocations und Sportplätze und arbeitet im Burggrafenamt und im Überetsch, unter anderem in Nals, Tisens, Prissian, Andrian, Terlan, Lana und Gargazon.
Die Fotos in diesem Beitrag stammen von der ausgeführten Beleuchtung durch ELOTEC. Angaben zur Baugeschichte des Schlosses stammen aus den unten genannten Quellen.
Quellen
- Schloss Payersberg, Gemeinde Nals: Baugeschichte, Wappen von 1560, Sanierung 2024 und heutige Nutzung als Veranstaltungsort (Tourismusverein Meraner Land)
- Schloss Payersberg, Sirmianerstrasse 2, 39010 Nals: Angaben zur Eventlocation (Südtirol Marketing, b2b.suedtirol.info)
- Burg Payrsberg (italienisch Castel Bavaro), Lage bei Sirmian in der Gemeinde Nals und Herkunft der Herren von Payrsberg (Wikipedia)